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meinung
9.08.2012
Auf neue Orte angewiesen
Martina Rizzi ist erstmals Geschäftsführerin des BSI Engadin Festivals. Die frühere Hôtelière zu ihren Herausforderungen beim Organisieren eines Klassik-Events.
Daniel Stampfli

Martina Rizzi, weshalb haben Sie den Schritt von der Hôtelière hin zur Geschäftsführerin eines Klassik- Festivals vollzogen?

Ich war mit Leib und Seele während 15 Jahren in der Hotellerie tätig. Aus familiären Gründen habe ich mich vor zwei Jahren dazu entschlossen, nicht mehr in diesem Metier zu arbeiten. Zu dieser Zeit wurde ich angefragt, das Engadin Festival zu übernehmen. Dabei kam mir entgegen, dass ich den Intendanten Jan Schultsz schon kannte.

Wo genau liegt die Herausforderung beim neuen Job?

Die Hauptherausforderung ist die Finanzierung. Das Festival wird von Sponsoren sowie der Tourismusorganisation Engadin St.Moritz, dem Kanton Graubünden und den beteiligten Gemeinden finanziert. Dies zu koordinieren, erfordert einige Arbeit. Dies ist auch bei der Organisation der Lokalitäten der Fall. Es laufen bei mir sehr viele Fäden zusammen.

Wie eng arbeiten Sie mit dem Intendanten Jan Schultsz zusammen?

Wir arbeiten sehr eng zusammen, in einer Art Symbiose. Über alles tauschen wir uns aus.

Können Sie auf die Programm-Gestaltung direkt Einfluss nehmen?

Wir haben eine klare Arbeitsteilung. Jedoch nehmen wir beide voneinander Wünsche oder Vorschläge an.

Wird sich das Festival nun unter Ihrer Leitung in eine andere Richtung entwickeln?

Ja. Bei der Übernahme war für mich klar, dass die Strategie und die Ausrichtung geändert werden müssen. Dies haben wir in den letzten sechs Monaten geschafft. Neu dauert das Festival nicht mehr während sechs Wochen im Sommer, sondern konzentriert während zehn Tagen im August. Eine Neuerung ist zudem, dass es auch im Winter stattfindet. Vom Programm her fokussieren wir uns auf Klassik auf Weltklasseniveau. Zuvor war es eine Art Gemischtwarenladen mit Klassik, Pop, Jazz, Ländler- und Weltmusik.

Kann denn das Engadin Festival neben dem grossen und sehr renommierten Lucerne Festival bestehen?

Durchaus. Bei uns finden die Konzerte in einer speziellen, intimen Atmosphäre statt und nicht in einem grossen Konzertsaal. Etwa in der Kirche in Vex mit bloss 50 Plätzen. Dahin kommt man nur zu Fuss oder mit der Pferdekutsche. Speziell ist auch ein Dinner oder ein Apéro riche zusammen mit den Künstlern.

Werden Sie auch neue Konzertorte suchen?

Ja. Wir haben unsere Gäste aufgerufen, uns interessante Ideen für neue Örtlichkeiten zu liefern. Gerade im Winter werden wir auf neue Orte angewiesen sein, da Kirchen meist nicht geheizt sind.

St.Moritz hat verschiedene Projekte in der Pipeline. Stichworte sind etwa ein Hallenbad, ein neuer Bahnhof und ein Kongresszentrum. Wird das BSI Engadin Festival davon profitieren können?

Auf jeden Fall. Betreffend Hallenbad sind Gespräche im Gange, ob sich nicht ein Eröffnungsevent organisieren liesse. Der Name Engadin Festival ist in der Region sehr gut bekannt und wir verstehen uns als Botschafter für das Engadin. Entsprechend werden wir von der Destination finanziell und ideell unterstützt. So ist es klar, dass man sich bietende Synergien nutzt.

Wie wichtig sind kulturelle Veranstaltungen ganz generell für den Tourismus in der Schweiz?

Meiner Ansicht nach sehr wichtig. Gerade während der Sommersaison ist das Angebot entscheidend. Es besteht allerdings die Gefahr zu meinen, alles anbieten zu müssen. Da gilt es aufzupassen, dass sich die einzelnen Events nicht gegenseitig konkurrenzieren. Unser Angebot an Klassik bietet sich sowohl für die Gäste des Engadins an als auch für die Menschen, die hier leben.

Gibt es nicht einen Overkill an Festivals - nicht nur klassischen - in der Schweiz?

Leider gibt es zweifelsohne ein Überangebot. Jeder Ort scheint das Gefühl zu haben, auch noch etwas anbieten zu müssen.

Offenbar ist die Nachfrage für alle Angebote genügend gross.

Die Frage ist nur, wie lange dies funktioniert und wie sicher die Finanzierung ist. Viele Festivals haben diesbezüglich Schwierigkeiten. Es ist heute nicht einfach, von Sponsoren oder der öffentlichen Hand Gelder zu erhalten.

Siehe auch Artikel oben rechts.

  
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