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meinung
26.01.2017
Das «Buebetrickli» der Buchungsplattformen
Die Knebelverträge in der Hotellerie sind ein Anachronismus der «Old Economy».
Gastkommentar von Thomas Allemann / htr hotel revue vom 26. Januar 2017

Im Herbst 2016 hat Ständerat Pirmin Bischof eine Motion eingereicht, welche das Verbot von Knebelverträgen zwischen den Online-Buchungsplattformen (OTA) und der Hotellerie fordert. Worum geht es

genau? Bis ins Jahr 2015 verlangten die OTA in ihren Vertragsbedingungen, dass der Hotelier ihnen jeweils den besten Preis und das zuletzt verfügbare Zimmer zur Verfügung stellen musste. Da dies alle OTA verlangten, war der Hotelier gezwungen, allen Buchungsplattformen den gleichen Preis anzubieten. Es gab also keine Preisdifferenzierung und dadurch keinen Wettbewerb unter den verschiedenen Verkaufskanälen. Dies rief die Wettbewerbshüter auf den Plan.

Unter dem Druck der europäischen Wettbewerbsbehörden haben dann die OTA einen Kompromiss vorgeschlagen: Die Preisparitätsklausel gilt nur noch zwischen der OTA und der Homepage des Hotels. Der Hotelier kann zwar eine Preisdifferenzierung zwischen den verschiedenen OTA vornehmen, gegenüber der eigenen Homepage verlangen die OTA aber nach wie vor die Preisparität. Die Wettbewerbsbehörden in Europa und der Schweiz haben diesem Kompromiss zugestimmt, weil sie noch keine Erfahrung mit dieser Lösung hatten und zuerst abwarten wollten, ob dadurch der Wettbewerb angekurbelt werde. Ein schlauer taktischer Schachzug der OTA, könnte man sagen, denn so haben sie mindestens drei Jahre gewonnen, um die Hotellerie weiter am Gängelband zu halten.

Einzig das Kartellamt in Deutschland hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht und erkannt, dass dies nur ein klassisches «Buebetrickli» darstellt, da die enge Paritätsklausel genauso wenig zu mehr Wettbewerb führt. Der Hotelier hätte nun zwar die Möglichkeit, dem günstigsten Buchungskanal (zum Beispiel STC) den besten Preis zu gewähren; dieser müsste aber tiefer sein als auf der eigenen Homepage, um die Ratenparität gegenüber den anderen Buchungsplattformen nicht zu verletzen. Damit wäre er aber doppelt bestraft. Einerseits verliert er an Glaubwürdigkeit gegenüber seinen Gästen, welche nicht nachvollziehen können, wieso er den besten Preis nicht auf der eigenen Homepage anbietet, andererseits würde er von den anderen Buchungsplattformen abgestraft, zum Beispiel über eine schlechtere Platzierung.

Der Hotelier ist demnach also weiterhin gezwungen, allen Plattformen den gleichen Preis zu gewähren. Politik und Behörden in Frankreich, Italien und Österreich haben dies sofort erkannt. Im Eilverfahren haben sie darum auf gesetzlichem Weg die engen Paritätsklauseln ­verboten und somit dem Hotelier die unternehmerische Freiheit über die Preisgestaltung zurückgegeben.

Nur in der Schweiz preisen die Behörden und Politik, beeinflusst vom Sirenengesang der Buchungsplattformen, weiterhin das Hohelied der freien Marktwirtschaft und loben den disruptiven Charakter der Digitalisierung, welcher bestehende Regulierungen überflüssig mache. Im Grundsatz bin ich mit dem Seco sogar einverstanden, nur ist meine Interpretation eine andere: Im Sinne der Deregulierung gilt es, Knebelverträge mit Preisdiktaten zu verbieten, diese gehören definitiv zu den ­Methoden der alten Ökonomie und haben keinen disruptiven Charakter, sondern erinnern eher an protektionistische Methoden à la Donald Trump. Hoffen wir, dass die Mehrheit der WAK Ständerat dies Anfang Februar auch so sieht und der Motion zustimmt.


Thomas Allemann ist Mitglied der Geschä sleitung von hotelleriesuisse

  
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