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meinung
15.06.2017
Weiterbildung: Machen ist wie wollen – nur krasser
Die Investition in das Know-how der Mitarbeitenden ist wichtiger denn je, die Angebote sind da. Fragt sich nur: Warum werden sie so selten genutzt?
Gastkommentar Gabriele Bryant / htr hotel revue vom 15. Juni 2017

Hoteliers beklagen sich darüber, keine guten Fachkräfte zu finden. Warum dann nicht selbst aktiv werden und bestehende Mitarbeiter durch entsprechende Weiterbildungen zu guten oder noch besseren Fachkräften machen?

Die Investition in das Know-how der Mitarbeitenden steigert die Markt- und Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens. Und sie steigert die Attraktivität als Arbeitgeber. Mitarbeiter, in deren Fortbildung investiert wird, fühlen sich geschätzt, gefordert und gefördert. Sie sind loyaler, motivierter und eher bereit, mehr zu leisten als nur das unbedingt Notwendige. Mitarbeiter mit Know-how sind zudem effektiver und produktiver in ihren Aufgabenbereichen und Arbeitsabläufen – weil sie wissen, was sie tun und wie sie es tun müssen.

Das gilt ganz besonders auch für die digitale Weiterbildung in der Hotellerie. Das digitale Know-how der Nicht-Marketing-Fachleute ist sehr lückenhaft und besteht meist aus «Learning by doing» – was nicht besonders effektiv ist und schlimmstenfalls sehr teuer werden kann.

Diese Lücken sind kein Versäumnis der Branche. Der heute so wichtige Online-Bereich ist relativ neu und dabei gleichzeitig so dynamisch, dass er in der normalen Ausbildung noch keine wirkliche Rolle spielt.

Umso wichtiger ist es für Unternehmen, hier in die Weiterbildung zu investieren, um nicht den Anschluss zu verlieren. Mitarbeitende müssen qualifiziert und Know-how im Unternehmen aufgebaut werden.

Und grundsätzlich scheint man das ja in der Branche auch zu wissen, denn die Forderung nach entsprechenden Weiterbildungen wird allenthalben laut.

In der Realität sieht es dann aber ziemlich anders aus, denn alle Weiterbildungsanbieter berichten von einem Kampf um jede einzelne Anmeldung. Dabei scheint es egal, ob die Weiterbildungen teuer oder sogar gratis sind. Selbst Kurse regionaler Anbieter mit symbolischen Teilnahmegebühren von 30 Franken, werden mangels Teilnehmern abgesagt oder mit fünf Teilnehmern durchgeführt – von denen drei keine Hoteliers sind. Auch der Ort ist egal – ob zentral in Zürich oder Luzern oder zu Hause in der eigenen Region. Selbst völlig kostenlose Online-Webinare finden vor mehr oder weniger leeren Rängen statt.

Ebenfalls keine Ursache spielt der Zeitpunkt. Ob Hoch-, Neben- oder Nichtsaison – es scheint einfach nie zu passen. Und auch der Anbieter spielt offensichtlich keine Rolle: Schulungen von Landes-, Regional- oder Berufsverbänden sind ebenso schlecht besucht wie die Kurse von spezialisierten Weiterbildungsanbietern.

Aber auch die Mitarbeitenden selbst melden sich selten an eine Weiterbildung an. Da wird einerseits mit Schrecken an die Zukunft mit Apps, Bots und Robotern gedacht, die einige Arbeitsbereiche über- flüssig machen könnten. Auf der anderen Seite wird übersehen, dass man mittels Weiterbildung in die eigenen Fähigkeiten und die eigene Zukunftsfähigkeit investieren könnte. Wer sich weiterbildet, macht sich wertvoller und erhöht seine Chancen auf bessere und zukunftssicherere Jobs.

Auch wenn jeder einzelne Grund, ein spezifisches Weiterbildungsangebot nicht zu nutzen, legitim sein mag, stellt sich doch die Frage: Wie lange können wir es uns leisten, nicht in den Aufbau von Knowhow zu investieren? Willenserklärungen sind nett, aber wie schon gesagt: Machen ist wie wollen, nur krasser.


Gabriele Bryant ist Spezialistin für Onlinemarketing und Social Media in der Beherbergungsbranche.

  
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