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meinung
6.04.2017
Wer nichts wagt, gewinnt nichts – auch bei der Finanzierung
Crowdfunding hat im Tourismus durchaus weiteres Potenzial. Noch bremst Unsicherheit das alternative Finanzierungsmodell.
Daniel Stampfli / htr hotel revue vom 6. April 2017

Gute Beispiele erfolgreich durchgeführter Crowdfunding-Kampagnen im Tourismus sind zwar durchaus vorhanden – auch in der Schweiz. Das Potenzial für diese Form der Finanzierung durch eine Menge von Internetnutzern ist jedoch alles andere als ausgeschöpft. Denn potenzielle Projektinitiatoren gehen noch relativ zurückhaltend mit den vorhandenen Möglichkeiten und sich bietenden Chancen des Crowdfunding um. Eine Umfrage der HTW Chur hat ergeben, dass ein Grossteil der Tourismusakteure der Meinung ist, dass es im Tourismus nicht üblich sei, dass Unternehmen Crowdfunding-Kampagnen durchführen. Und weniger als 20 Prozent der Befragten können sich vorstellen, in den nächsten 12 Monaten eine eigene Crowdfunding-Kampagne durchzuführen.

Die Gründe für diese reservierte Haltung sind insbesondere bei der Unkenntnis und Unsicherheit gegenüber dieser alternativen Finanzierungsart zu suchen. Viele Projektinitiatoren wissen nicht, wie eine Kampagne umzusetzen ist – sowohl auf technischer als auch nicht-technischer Ebene. Andere wiederum fürchten sich vor einem Flop, das heisst einem Misslingen der Kampagne mit dem ernüchternden Ergebnis «ausser Spesen nichts gewesen». Beim Entscheid für oder gegen eine Crowdfunding-Kampagne spielen oft auch soziale Ein üsse eine Rolle. Das heisst, es wird darauf Rücksicht genommen, ob das direkte persönliche und berufliche Umfeld eine Kampagne befürworten würde. Ist ein Projektinitiator oder ein Projektteam jedoch selbst davon überzeugt, dass dieser Weg der Geldmittelbeschaffung der richtige ist, soll dieser Weg konsequent beschritten werden und nicht in die Überlegungen einbezogen werden, was andere davon halten.

Unbestritten ist, dass Crowdfunding zahlreiche Vorteile bietet – neben der reinen Mittelbescha ung. So lassen sich etwa Ideen am Markt testen, noch bevor sie realisiert werden, Leistungen wie Events vornanzieren sowie Marketinge ekte wie stärkere Bekanntheit, besseres Image oder grössere OnlineReichweite erzielen. Für touristische Leistungsträger gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um für Anscha ungen, Bauvorhaben oder bestimmte Leistungserbringungen externe Finanzquellen zu erschliessen. Und für Gastronomie und Events bieten sich neue Chancen, potenzielle Kundinnen und Kunden frühzeitig anzusprechen und an sich zu binden. Ein äusserst erfolgreiches Projekt der letztgenannten Kategorie ist das Weinbar-Konzept «Ta Cave» von drei Lausanner Freunden, das 2015 mit einem «Milestone» ausgezeichnet wurde. Kurz vor Redaktionsschluss hat uns die Lancierung einer neuen Crowdfunding-Kampagne erreicht: Ab morgen Freitag wird auf der Plattform Kickstarter.com zur Unterstützung der Schweizer Produktion der «Summer Gemel» und der Eröffnung der Strecke für das Sommer-Schlitteln am Männlichen Geld gesammelt.

Ein Patentrezept zur Steigerung der Sensibilisierung von Projektinitiatoren für das Crowdfunding gibt es nicht. Den Interessierten stehen aber genü- gend Informationen zur Verfügung. Dazu zählen auch die inzwischen zahlreichen in der Schweiz vorhandenen Crowdfunding-Plattformen. Und: Je mehr gute und erfolgreiche Crowdfunding-Beispiele – wie etwa «Ta Cave» oder der «Hammerdeal» der Saastal Bergbahnen – den Weg über die Medien in die Öffentlichkeit  nden, desto mehr Start-ups werden wohl künftig dazu animiert, den Weg über die «Crowd» zur Kapitalbeschaffung zu beschreiten.

  
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