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31.05.2018
Mehr Luft für attraktivere Packages
Kleine und mittlere Hotels scheitern bei der Bündelung von Dienstleistungen schnell an mehrwertsteuerrechtlichen Hürden. Das Parlament könnte ihre Situation verbessern.
Patrick Timmann

Für Hoteliers könnte der 7. Juni 2018 zu einem wichtigen Tag werden. Denn an diesem Datum will der Ständerat über die Motion «Mehrwertsteuer-Vereinfachung bei Packages» des Bündner CVP-Ständerats Stefan Engler beraten. Bei einem Nein der kleinen Kammer wäre das Geschäft vom Tisch – zum Nachteil vieler Hotelbetriebe.

Worum geht es genau? Dazu ein Blick auf den Status quo: Heute profitieren Hotels von einem Mehrwertsteuer-Sondersatz von 3,7 Prozent gegenüber dem Normalsatz von 7,7 Prozent. Der Sondersatz gilt jedoch nur für Beherbergungsdienstleistungen inklusive Frühstück und «erweiterten Nebenleistungen» wie zum Beispiel Hotel-Parking, Schuhputzservice, Nutzung hoteleigener Sportanlagen oder des eigenen Spa-Bereichs. Zusätzliche Dienstleistungen wie Skipässe, Bahntickets oder Eintritte für externe Sport- und Kulturanlässe müssen vom Hotel separat und zum normalen Mehrwertsteuersatz von 7,7 Prozent abgerechnet werden – es sei denn, sie sind Teil eines Packages, also eines vom Hotel fixfertig zusammengestellten und en bloc buchbaren Dienstleistungs-bündels, bei dem der Anteil der Beherbergungskosten mindestens 70 Prozent ausmacht. Ist dies der Fall, darf der Hotelier das gesamte Package zum Sondersatz von 3,7 Prozent in Rechnung stellen.

Diese sogenannte 70/30-Prozent-Regel gilt seit 2005. Die Hotels können ihren Gästen damit attraktivere Leis-tungen anbieten und sparen gleichzeitig Kosten und administrativen Aufwand. Tatsächlich bietet die Regelung den Hoteliers jedoch weit weniger Spielraum, als man zunächst glauben könnte. Beispiel Halbpension: Die im Preis inbegriffene Mahlzeit darf nur dann in jedem Fall zum Sondersatz abgerechnet werden, wenn es sich um eine «reine» Halbpension handelt. Bietet der Hotelier hingegen ein Package bestehend aus Halbpension und zusätzlichen Dienstleistungen an, wird die Hauptmahlzeit im hoteleigenen Restaurant nicht automatisch zum Sondersatz berechnet, sondern gilt ebenfalls als Zusatzdienstleistung, die unter Umständen zum Normalsatz in Rechnung gestellt werden muss. Mehrwertsteuertechnisch noch ungünstiger wird es, wenn das Package anstatt Halbpension Vollpension enthält, wobei hier ein spezieller Schlüssel zur Bestimmung der Mehrwertsteueranteile angewendet wird (genaue Informationen im hotelleriesuisse-Merkblatt «Mehrwert­­steuer in der Schweizer Hotel­lerie»). Kurzum: Enthält ein Package neben Ski- und Bahnticket auch noch Halb- oder Vollpension, übersteigen die Zusatzdienstleistungen anteilsmässig schnell einmal die 30-Prozentmarke, sodass die Leistungen des Packages einzeln aufgelistet und unterschiedlich besteuert werden müssen.

Geringer Spielraum für Kooperationen
Die Motion «Mehrwertsteuer-Vereinfachung bei Packages», die Ständerat Stefan Engler am 15. März eingereicht hat, will nun genau dies ändern (die htr berichtete am 22. März). Anstelle der 70/30-Regel soll zukünftig eine 55/45-Prozent-Regel gelten, die den unternehmerischen Spielraum der Hoteliers vergrössern würde. Ein starker Befürworter von Englers Anliegen ist Kurt Baumgartner. «Alle sprechen ständig davon, man solle in der Destination zusammenarbeiten und miteinander Packages schnüren. Aber wenn ich ein Package mit Skipass und Thermalbad-Eintritt schnüre, habe ich die 30 Prozent bereits überschritten und kann das Package nicht zum Sondersatz abrechnen», so der Direktor des Hotel Belvédère in Scuol. Er rechnet vor: «In der Regel macht die Halbpension 25 Prozent der Dienstleistungen aus. Da bleiben für weitere Nebenleistungen nur noch 5 Prozent übrig. Bei einem Zimmerpreis von 250 Franken pro Person in der Hochsaison und einem Skipasspreis von 35 Franken, sind die 30 Prozent überschritten.» Eine Alternative wäre die detaillierte Aufschlüsselung der einzelnen Package-Bestandteile beim Check-out, um sie dem Gast zu unterschiedlichen Mehrwertsteuersätzen in Rechnung stellen zu können. Doch dies lehnt Baumgartner ab. «Der Gast will alles aus einer Hand. Er erwartet ein Package.» Nichts anderes predigten das Staatsekretariat für Wirtschaft oder Schweiz Tourismus. «Kooperationen und Convenience sind heutzutage oberstes Gebot. Deshalb kann es doch nicht sein, dass man als Hotelier dafür bestraft wird, wenn man intensiv mit den Partnern im Dorf zusammenarbeitet, attraktive Packages schnürt, probiert, innovativ zu sein und genau das tut, was der Gast erwartet.»

Der Bundesrat will von der 55/45 Prozent-Regel trotzdem nichts wissen. In seiner Begründung spricht er von einer «versteckten Mehrwertsteuerreduktion insbesondere für die Hotellerie». Anderen Branchen entstünde dadurch ein Wettbewerbsnachteil.

Folgt man Baumgartners Ausführungen, entbehrt die Begründung des Bundesrats nicht einer gewissen Ironie. Denn die heute gültige 70/30-Regel verzerre ihrerseits den Wettbewerb innerhalb der Hotelbranche, profitierten doch die grossen Luxushotels besonders in den Städten viel stärker als die 2-, 3- und 4-Sterne Hotels in den Ferienregionen. «Wenn im Luxushotel die Nacht mit 400 Franken oder mehr zu Buche schlägt und Sie für die Halbpension 70 Franken einkalkulieren, dann habe Sie natürlich bei den weiteren Nebenleistungen viel mehr Spielraum. Bei einem Übernachtungspreis von 150 Franken liegt dagegen gerade mal ein Skipass drin. Gestraft wird also der ganz normale Hotelier, der Inklusivleistungen erbringen will.»

Merkblatt «Mehrwertsteuer in der Schweizer Hotellerie: hotelleriesuisse.ch/MWST

  
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