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leserbrief
12.01.2018
«Der ruinöse Preiskampf der Bergbahnen»
Ein Insider meldet sich zu Wort: Theo Schnider aus dem Verwaltungsrat der Bergbahnen Sörenberg AG äussert sich zur Tiefpreisstrategie in der Bergbahn-Branche.

Theo Schnider, Bergbahnen Sörenberg AG, warnt vor dem Preis-Dumping in der Bergbahn-Branche. Der htr hotel revue liegt sein Leserbrief vor. Hier ein Auszug daraus:

«Ich habe eine klare Haltung gegenüber der zunehmend auftauchenden Tiefpreisstrategie. Die Skigebiete unterbieten sich laufend und sehr aggressiv in den Preisen. Die Tiefpreisstrategie ist für Sörenberg keine Option. Ich persönlich bringe es Ihnen ungeschminkt auf dem Punkt: Wenn eine Bergbahn plötzlich den Preis für ihr Angebot und Dienstleistung bis zu fünffach und mehr reduzieren kann, dann hat sie genügend Aktionsreserven oder hat in den Vorjahren den Gast über den Tisch gezogen.

Ein solches Preisdumping ist, wenn immer mehr Skigebiete sich dafür verleiten lassen, langfristig unglaubwürdig und ruinös für die ganze Branche. Ob es tatsächlich gelingt, langfristig wieder mehr Gäste für das Skifahren zu begeistern, wird sich weisen müssen. Der Preiseffekt verpufft in der Regel schnell. Nicht alle Skigebiete werden diese «Spielerei» ohne Schaden überstehen.

Dass der Kunde nicht gleich den Kopf schüttelt ist klar, denn im Moment profitiert er vom ruinösen Preiskampf, vom gegenseitigen Kannibalismus der Bergbahnen. Langfristig wird er aber akzeptieren müssen, dass Skigebiete schliessen oder über öffentliche Mittel subventioniert werden müssen. Nur für sehr wenige Bergbahnen wird mittelfristig die Rechnung aufgehen, zumindest so lange, bis wieder grössere, dringende Investitionen in Sicherheit und Qualität anstehen. Wer heute einen Rabatt von 15% gewährt, muss mindestens 20% mehr Gäste haben, um den gewährten Rabatt bei den Einnahmen wieder wett zu machen.

Eine Tiefpreisstrategie kann kurzfristig mehr Leute ins Skigebiet bringen, entwertet aber bereits mittelfristig das Produkt Skifahren. Für eine Branche, deren Kundenloyalität laufend sinkt, ist das tödlich. Und wichtig ist zu beachten, das Rad lässt sich in der Preisspirale nicht mehr zurückdrehen. Plötzlich dann für die gleiche Leistung wieder mehr zu verlangen, würde kaum positiv aufgenommen. Die «Gratiskultur» bringt man nicht mehr so schnell aus den Köpfen.

Ich fordere daher: Bergbahnen die ein ruinöses Preisdumping verfolgen, sollten keine Subventionen der öffentlichen Hand bekommen. Es kann nicht sein, dass Wettbewerbsverzerrung mit Steuergeldern unterstützt wird. Oder anders formuliert, wenn Skigebiete die Finanzhilfe der öffentlichen Hand durch Rabatte weitergeben, ist das nicht anderes als Konkurrenzkampf mit Steuergeldern finanziert. Das geht für mich absolut nicht und eine solche Praxis würde zu Recht irritieren. Wir haben in Sörenberg ein einzigartiges, attraktives und ehrliches Angebot zu einem fairen Preis. Und wir wollen weiterhin in Sicherheit, Komfort und Qualität investieren können».

Haben Sie eine Meinung, welche die Branche betrifft? Senden Sie uns einen Leserbrief an redaktion@htr.ch.

  
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